Wenn eine Präsentationsmappe nach drei Wochen beim Kunden aufgeht, wird meist über den Klebstoff gestritten. In den allermeisten Fällen liegt die Ursache aber früher: auf der Klebelasche lag Lack, die Folie lief über die Lasche hinweg, oder die Laufrichtung stand quer zur Klebekante. Das alles wird in der Druckvorstufe festgelegt – lange bevor ein Bogen an der Klebeanlage ankommt. Dieser Ratgeber richtet sich an Druckvorstufe, Produktioner und Kalkulation und zeigt, wie Klebeflächen so angelegt werden, dass Dispersionskleber und Hot-Melt sicher halten.
Warum entscheidet die Druckvorstufe, ob eine Klebung hält?
Weil Kleber nur auf einer Oberfläche hält, in die er eindringen oder mit der er sich verbinden kann – und diese Oberfläche wird beim Druck festgelegt. Dispersionskleber braucht offene Papierfasern, in die das Wasser einziehen kann; Lack, Folie und dicke Farbschichten versiegeln die Fasern. Hot-Melt haftet zwar auch auf geschlossenen Flächen besser, aber nicht auf jeder Folie und nicht auf jedem UV-Lack. Was auf der Lasche liegt, kann an der Klebeanlage nur noch begrenzt ausgeglichen werden, etwa mit mehr Auftrag – und mehr Auftrag bedeutet mehr Kleberaustritt.
Für die Weiterverarbeitung ist deshalb die wichtigste Regel: Jede Fläche, die später verklebt wird, ist im Druck eine eigene, bewusst geplante Fläche. Sie steht im Standbogen, hat eine Aussparung in allen Veredelungsformen und ist im Muster erkennbar.
Welche Oberfläche verträgt welchen Kleber?
Die folgende Übersicht fasst unsere Praxiserfahrung aus der Weiterverarbeitung zusammen. Sie ersetzt nicht den Klebetest am Erstmuster, sie zeigt aber, wo Sie in der Druckvorstufe gegensteuern sollten.
| Oberfläche auf der Klebelasche | Dispersionskleber (Klebeanlage I/II) | Hot-Melt (Anlage III) | Empfehlung für die Druckvorstufe |
|---|---|---|---|
| ungestrichenes Papier, Naturkarton | hält sehr gut | hält gut | keine Aussparung nötig |
| gestrichener Bilderdruck ohne Lack | hält gut | hält gut | Vollflächen auf der Lasche vermeiden |
| Dispersionslack matt oder glänzend | hält schlecht | hält meist | Lack auf der Lasche aussparen |
| UV-Lack, Spotlack | hält nicht zuverlässig | abhängig vom Lack | unbedingt aussparen |
| Folienkaschierung matt oder glänzend | hält nicht | hält auf vielen Folien | Folie aussparen oder Hot-Melt einplanen |
| Softtouch-Folie, Strukturfolie | hält nicht | unsicher | Folie aussparen, Klebetest abwarten |
Welche Klebeart wo eingesetzt wird, beschreiben die Seiten Flächenverklebung an der Klebeanlage und Hot-Melt-Verklebung.
Wie groß muss die Lackaussparung auf der Klebelasche sein?
Die Aussparung sollte an jeder Seite rund 2 mm größer sein als die Lasche selbst. Der Grund ist der Stand zwischen Druck, Veredelung und späterem Zuschnitt: Lack und Folie sitzen nie ganz genau auf der gleichen Stelle wie die Kontur, und ein Streifen Lack an der Laschenkante reicht, damit der Kleber dort abreißt. Nach innen, zur sichtbaren Mappenfläche hin, darf die Aussparung nicht so groß werden, dass unlackiertes Papier neben der Lasche sichtbar ist – hier hilft es, die Aussparung an der Sichtkante bündig und an den übrigen Kanten großzügig anzulegen.
Genauso wichtig ist die Farbe auf der Lasche. Eine vollflächige Schwarz- oder Blaufläche mit hohem Farbauftrag verhält sich für Dispersionskleber ähnlich wie ein dünner Lack. Wenn das Motiv es zulässt, bleibt die Lasche hell oder unbedruckt; wenn nicht, braucht der Bogen vor dem Kleben ausreichend Trockenzeit.
Wie legen Sie die Aussparung in der Druckdatei richtig an?
Am sichersten als eigene, benannte Form, die mit der Kontur des Standbogens deckungsgleich aufgebaut ist. Dann kann die Druckerei die Aussparung in die Lackplatte oder die Folienvorgabe übernehmen, und wir sehen im Wareneingang sofort, ob sie mitgedruckt wurde. Bewährt hat sich:
- eine Sonderfarbe oder Ebene mit eindeutigem Namen für jede Klebefläche, getrennt von Rill- und Schnittlinien;
- die Maße der Lasche und der Aussparung als Bemaßung im Standbogen, nicht nur als Fläche;
- eine Markierung auf dem Handmuster, welche Seite der Lasche mit Kleber belegt wird;
- bei mehreren Laschen eine Nummerierung, die sich in der Arbeitsanweisung wiederfindet.
Ist die Kontur vorgestanzt, sollte die Aussparung auf die tatsächliche Kontur des Werkzeugs abgestimmt sein, nicht auf das ursprüngliche Layout. Wenn die Rillung erst nachträglich entsteht, lohnt ein Blick auf die Seite Stanz- und Schneidemaschine auf apool.de.
Was gilt für kaschierte Bögen?
Bei kaschierten Bögen gibt es zwei saubere Wege: Entweder die Folie wird im Bereich der Lasche ausgespart, oder die Verklebung erfolgt mit Hot-Melt, der auf vielen Folien hält. Der erste Weg ist sicherer, weil dann auch Dispersionskleber auf offenem Papier arbeitet und die Mappe flach bleibt. Der zweite Weg ist nötig, wenn die Folie aus technischen Gründen durchgehend laufen muss. Welche Folie hält, lässt sich nur am echten Material sagen – deshalb gehört jede kaschierte Mappe vor der Serie in den Klebetest.
Ein häufig übersehener Punkt ist die Kante: Folienkaschierung, die über den Beschnitt hinausreicht und sich an der Laschenkante hebt, bricht die Verklebung von außen her auf. Liegt die Folie sauber und endet sie mit Abstand vor der Lasche, ist das Problem gelöst.
Welche Rolle spielt die Laufrichtung für die Klebung?
Die Laufrichtung sollte parallel zum Hauptfalz und damit meist parallel zur längsten Klebekante laufen. Papier dehnt sich quer zur Faser deutlich stärker als längs; ein feuchter Dispersionskleber lässt den Bogen quellen, und wenn die Faser quer zur Kante steht, wölbt sich die Mappe nach dem Pressen. Beim Schuber zeigt sich das als verzogene Öffnung, bei der Mappe als Tasche, die nicht plan aufliegt.
In der Praxis ist die Laufrichtung oft ein Kompromiss mit der Nutzenaufteilung. Dann hilft es, das in der Anfrage zu nennen: Wir wählen den Kleber, die Auftragsmenge und die Abbindezeit in der Presse passend dazu und sehen am Erstmuster, ob die Mappe plan bleibt.
| Produkt | günstige Laufrichtung | Folge bei falscher Richtung |
|---|---|---|
| Präsentationsmappe mit Tasche | parallel zum Rückenfalz | Tasche wölbt sich, Rücken bricht auf |
| Schuber | parallel zur Öffnungskante | Öffnung verzieht sich, Buch klemmt |
| Faltschachtel mit Seitennaht | quer zur Rillung der Seitennaht | Seitennaht springt auf, Schachtel steht schief |
Wie prüfen wir am Erstmuster, ob die Klebung hält?
Jedes Erstmuster bekommt einen Klebetest: Wir lassen die Verklebung 24 Stunden abbinden, prüfen sie auf Ihrem Lack oder Ihrer Kaschierung und schicken Fotos zur Freigabe. Beurteilt wird das Bruchbild: Reißt beim Aufziehen der Lasche Papierfaser mit, hält die Klebung. Geht die Lasche glatt ab und der Kleber bleibt als Film auf einer Seite, liegt eine versiegelte Oberfläche darunter. In diesem Fall melden wir uns vor der Serie mit Fotos und einem Vorschlag – etwa Hot-Melt statt Dispersion oder eine geänderte Aussparung bei der nächsten Auflage.
Der Klebetest kostet einen Tag Laufzeit, spart aber im Zweifel eine komplette Nacharbeit. Wie die weiteren Prüfpunkte bis zur Rücklieferung aussehen, erklärt der Ratgeber Fehler in der Weiterverarbeitung erkennen.
Was gehört in die Anfrage, wenn Klebeflächen im Spiel sind?
Nennen Sie uns die Oberfläche jeder Klebelasche, die geplante Veredelung, die Laufrichtung und ob der Bogen vorgerillt ist. Legen Sie einen Standbogen mit Aussparung als PDF und ein Handmuster bei. Dann klären wir vor dem Druck, ob Dispersionskleber genügt oder Hot-Melt nötig ist, und ob eine Lasche besser mit Klebepunkten von Hand gesetzt wird. Die Leistung dahinter finden Sie unter Präsentationsmappen und Schuber kleben und für Verpackungen unter Kartonagen und Faltschachteln mit Hot-Melt. Elisabeth Zachová beantwortet Fragen zur Klebefläche unter +420 604 373 376, das Formular steht unter Anfrage.