Fehler in der Weiterverarbeitung fallen selten dort auf, wo sie entstehen. Ein Kleberfaden an der Tasche wird erst sichtbar, wenn der Kunde die Mappe aus dem Karton nimmt; ein fehlender Einleger erst, wenn ein Teilnehmer im Seminar fragt. Deshalb prüfen wir nicht nur am Ende, sondern an vier Stellen im Ablauf. Dieser Ratgeber beschreibt die typischen Fehlerbilder beim Zusammentragen, Falzen und Kleben, ihre Ursachen und woran Sie selbst bei der Anlieferung erkennen, ob eine Lieferung in Ordnung ist.
Welche Fehler treten bei gefalzten und geklebten Drucksachen am häufigsten auf?
Vier Fehlerbilder machen den Großteil aus: Kleberaustritt, schiefe Winkel an Tasche oder Lasche, Falzbruch und unvollständige Sätze. Fast alle Reklamationen in der Druckweiterverarbeitung lassen sich einem dieser Bilder zuordnen. Die Übersicht zeigt, woher sie kommen und wie wir sie prüfen.
| Fehlerbild | häufige Ursache | wie wir prüfen | Maßstab |
|---|---|---|---|
| Kleberaustritt | zu viel Auftrag, zu hoher Pressdruck, zu früh gestapelt | Streiflicht auf alle Klebekanten | kein sichtbarer Faden oder Glanzrand |
| Winkelfehler | Anschlag verstellt, Bogen schief angelegt, Beschnitt ungenau | Schablone oder Winkel gegen Muster | Abweichung laut Muster, meist höchstens 1 mm |
| Falzbruch | fehlende Rillung, Laufrichtung quer, spröder Toner | Sicht auf jede Falzkante | keine weiße Linie im Druckbild |
| fehlender oder vertauschter Einleger | Fach leer, zwei Blätter gegriffen, Version verwechselt | Waage je Satz, Blattprüfung alle 100 Sätze | Satz laut Stückliste |
| Kratzer und Fingerabdrücke | trockene Hände auf dunklen Flächen, rauer Tisch | Sicht vor dem Kartonieren | laut freigegebenem Muster |
Woran erkennen Sie Kleberaustritt?
Kleberaustritt zeigt sich als dünner Faden oder glänzender Rand an der Kante der Lasche, manchmal auch als Tasche, die innen zusammenklebt. Der gefährlichste Fall ist der unsichtbare: Tritt Dispersionskleber innen in der Tasche aus, verklebt die Tasche mit dem ersten Einleger, und das bemerkt erst der Empfänger. Bei Hot-Melt entstehen stattdessen feine Fäden, die sich über die Mappe ziehen.
Die Ursachen liegen fast immer in der Menge und in der Zeit: zu viel Kleber, zu hoher Druck in der Presse oder Mappen, die gestapelt wurden, bevor der Kleber abgebunden hatte. Deshalb stellen wir Auftragsmenge und Pressdruck am Erstmuster ein und halten sie in der Arbeitsanweisung fest. Jedes Erstmuster bekommt einen Klebetest: Wir lassen die Verklebung 24 Stunden abbinden, prüfen sie auf Ihrem Lack oder Ihrer Kaschierung und schicken Fotos zur Freigabe. Welche Rolle die Oberfläche der Lasche spielt, erklärt der Ratgeber Klebeflächen in der Druckvorstufe, die Zeit bis zur Festigkeit das Lexikon unter Abbindezeit.
Wie wird der Winkel von Tasche und Lasche geprüft?
Den Winkel prüfen wir mit einer Schablone, die am freigegebenen Erstmuster abgenommen wird, oder mit einem Anschlagwinkel. Die Tasche einer Mappe muss rechtwinklig zum Rücken sitzen, sonst läuft der obere Rand schräg und die gestaffelten Einleger stehen ungleich heraus. Beim Schuber zeigt sich ein Winkelfehler an der Öffnung: Das Buch klemmt auf einer Seite und hat auf der anderen Spiel.
Als Maßstab gilt die Vorgabe im Muster, bei Mappen meist eine Abweichung von höchstens 1 mm. Im Freigabeprotokoll des Erstmusters steht der gemessene Wert; weicht die Serie davon ab, wird der Anschlag an der Anlage oder am Handplatz nachgestellt, bevor weitergearbeitet wird. Wie Schuber und Stülpschachteln verarbeitet werden, zeigt die Seite Schuber und Stülpschachteln.
Wann ist Falzbruch ein Fehler und wann eine Materialgrenze?
Falzbruch ist ein Fehler, wenn er bei richtiger Rillung und passender Laufrichtung trotzdem auftritt; er ist eine Materialgrenze, wenn der Bogen ohne Rillung oder quer zur Faser angeliefert wurde. Im ersten Fall liegt die Ursache bei uns – etwa ein Falz neben der Rillung –, im zweiten lässt sie sich am Falzplatz nicht beheben. Deshalb prüfen wir schon im Wareneingang am ersten Bogen und melden uns mit Foto, bevor die Serie beginnt. Die Zusammenhänge erklärt der Ratgeber Rillung, Grammatur und Falzbruch, den Begriff das Lexikon unter Falzbruch.
Wie stellen wir sicher, dass kein Einleger fehlt?
Ein Platz trägt jeden Satz komplett zusammen, ab 10 Einlegern kommt jeder Satz auf die Waage, und alle 100 Sätze prüft die Schichtleitung einen Satz Blatt für Blatt gegen das Muster. Die Waage findet fehlende Bögen zuverlässig, kleine Karten dagegen nicht immer – deshalb liegen leichte Einleger an einer festen, sichtbaren Stelle im Satz und werden bei der Ausgangskontrolle gezielt angesehen. Einzelheiten stehen im Ratgeber Zusammentragen nach Stückliste.
Wie läuft unsere Prüfung vom Wareneingang bis zur Rücklieferung ab?
| Stelle | was geprüft wird | Dokumentation |
|---|---|---|
| Wareneingang | Menge je Position, Rillung, Laufrichtung, Klebeflächen am ersten Bogen | Fotos der Paletten, Mengenabgleich |
| Erstmuster | Klebetest nach 24 Stunden, Winkel, Falz, Vollständigkeit | Freigabeprotokoll mit Fotos |
| Serie | Vergleich mit dem Muster alle 100 Stück, Waage je Satz ab 10 Einlegern | elektronische Arbeitsanweisung, Stundennachweis je Platz |
| Ausgangskontrolle | jedes Stück: Kleberaustritt, Winkel, Falzbruch, Vollständigkeit, Sauberkeit | Protokoll aussortierter Stücke |
| Verpackung | Stückzahl je Karton, Etikett, Palettenbild | Fotos der fertigen Paletten |
Eine Garantie auf das Ergebnis geben wir nicht, und wir sind nicht zertifiziert; wir arbeiten mit festen Prüfpunkten und dokumentieren sie. Den ganzen Ablauf zeigt die Seite So arbeiten wir.
Was passiert mit Stücken, die bei der Kontrolle auffallen?
Bögen mit Falzbruch, Kleberaustritt oder Kratzern sortieren wir aus, zählen sie, halten sie im Protokoll mit Foto fest und schicken sie mit der Rücklieferung zurück – oder sondern sie nach Ihrer schriftlichen Vorgabe aus; einen Nachdruck veranlassen Sie. Fällt ein Fehler gehäuft auf, stoppen wir den betroffenen Platz, suchen die Ursache und prüfen die seit der letzten Zwischenkontrolle gefertigten Stücke erneut. Liegt die Ursache im angelieferten Material, etwa bei einer Teilmenge mit anderer Grammatur, melden wir uns mit Fotos, bevor wir weiterarbeiten.
Wie prüfen Sie selbst eine Lieferung?
Für die eigene Eingangsprüfung genügen wenige Minuten, wenn Sie gezielt vorgehen. Ziehen Sie Stichproben aus mehreren Kartons und aus verschiedenen Paletten, nicht nur aus dem obersten Karton. Öffnen Sie bei zwei oder drei Mappen die Tasche vorsichtig: Reißt beim Aufziehen Papierfaser mit, hält die Klebung. Legen Sie eine Mappe neben das freigegebene Muster und vergleichen Sie Winkel, Falzkante und Reihenfolge der Einleger. Bei Sätzen mit vielen Einlegern hilft eine Küchen- oder Briefwaage, um einige Sätze mit dem Referenzgewicht aus unserem Protokoll zu vergleichen.
Wenn Sie vor der Vergabe mehr über die richtigen Vorgaben wissen möchten, hilft der Artikel auf apool.de Konfektionierung von Drucksachen vor der Vergabe. Für Ihren Auftrag erreichen Sie Elisabeth Zachová unter +420 604 373 376; die Leistung steht unter Zusammentragen, Falzen, Kleben, das Formular unter Anfrage.