Eine weiße, ausgefranste Linie genau auf der Falzkante einer dunkelblauen Einladung – so sieht Falzbruch aus, und er lässt sich nachträglich nicht mehr beheben. Ob ein Bogen sauber falzt oder bricht, hängt von drei Dingen ab: der Grammatur und dem Aufbau des Papiers, der Rillung und der Laufrichtung. Beim Digitaldruck kommt die Tonerschicht als vierter Faktor dazu. Dieser Ratgeber erklärt die Zusammenhänge so, dass Sie schon beim Planen erkennen, ob ein Auftrag gerillt werden muss.
Warum brechen Bögen ab 170 g/m² beim Falzen auf?
Ab 170 g/m² ist gestrichenes Papier so dick und steif, dass die Außenseite beim Falzen stärker gedehnt wird, als der Strich und die Fasern mitmachen. Beim Falzen wird die Außenseite des Bogens gestreckt und die Innenseite gestaucht. Bei dünnem Papier ist der Unterschied klein, bei dickem Karton groß – und der Strich eines Bilderdruckpapiers ist spröder als die Fasern darunter. Er reißt als Erstes, und mit ihm die Druckfarbe darauf. Deshalb ist Falzbruch bei vollflächig bedruckten, dunklen Motiven am auffälligsten: Die weiße Faser wird genau dort sichtbar, wo der Blick zuerst hinfällt.
Eine Rillung verhindert das, indem sie das Material vor dem Falzen gezielt verdichtet und ihm eine vorgegebene Knickbahn gibt. Der Bogen biegt sich dann über eine breitere Zone, statt an einer scharfen Linie zu brechen. Den Begriff erklären wir im Lexikon unter Falzbruch und Rillung.
Ab welcher Grammatur muss gerillt werden?
Bei uns kommen Bögen ab 170 g/m² vorgerillt, ab 300 g/m² ist die Rillung ohne Ausnahme nötig. Unterhalb davon entscheidet die Papiersorte: Ungestrichene Naturpapiere verzeihen mehr, stark gestrichene und hochglänzende Papiere weniger. Die folgende Übersicht nennt ungefähre Materialstärken und unsere Empfehlung.
| Grammatur | Materialstärke ungefähr | Rillung | Hinweis |
|---|---|---|---|
| bis 135 g/m² | 0,10–0,13 mm | meist nicht nötig | bei dunkler Vollfläche über dem Falz trotzdem prüfen |
| 150–170 g/m² | 0,13–0,17 mm | empfohlen bei gestrichenem Papier | Grenzbereich, Probefalz am ersten Bogen |
| 200–250 g/m² | 0,20–0,28 mm | nötig | Rillung parallel zur Laufrichtung bevorzugt |
| 300–350 g/m² | 0,30–0,42 mm | zwingend | breitere Rillung, Falz von Hand nachgestrichen |
| ab 400 g/m² | ab 0,45 mm | zwingend, oft doppelt | bei Mappenrücken zwei Rillungen im Abstand der Füllhöhe |
Die Materialstärke hängt stark vom Volumen des Papiers ab; ein voluminöser Naturkarton ist bei gleicher Grammatur dicker als ein Bilderdruckkarton. Maßgeblich ist deshalb immer der erste Bogen aus der Auflage.
Wie muss die Rillung liegen, damit der Falz sauber wird?
Die Rillung muss genau auf der späteren Falzlinie liegen, und ihre Wulst gehört in das Innere des Falzes. Die Wulst ist die Erhebung, die das Rillwerkzeug auf einer Seite des Bogens hinterlässt; falzt man gegen sie, drückt sich das Material nach außen und reißt gerade dort, wo es geschützt werden sollte. Liegt die Rillung dagegen richtig, legt sich die Wulst beim Falzen in den Bruch, und die Außenseite bleibt glatt.
Zwei weitere Punkte sehen wir in der Praxis häufig: Die Rillung sitzt einen Millimeter neben der Falzlinie, weil sie auf das Layout statt auf den tatsächlichen Beschnitt bezogen wurde – dann steht die Falzkante schief zum Motiv. Oder die Rillung ist für den Karton zu schmal, und der Bogen bricht trotzdem an den Rändern der Rillzone. Beides erkennen wir am ersten Bogen im Wareneingang.
Welche Rolle spielt die Laufrichtung beim Falzen?
Ein Falz parallel zur Laufrichtung wird glatter und bricht seltener als ein Falz quer dazu. Die Fasern liegen in Laufrichtung nebeneinander; falzt man parallel zu ihnen, biegt sich der Bogen zwischen den Fasern. Falzt man quer, müssen die Fasern selbst geknickt werden – das gibt mehr Widerstand, eine rauere Kante und bei starkem Karton eher Falzbruch.
Bei einem Kreuzfalz läuft zwangsläufig ein Bruch quer zur Faser. Hier sollte der erste, wichtigere Bruch parallel liegen und der zweite quer, und bei starkem Material ist die Rillung für den Querbruch besonders wichtig. Beim Wickelfalz und beim Fensterfalz laufen alle Brüche in dieselbe Richtung; dort lässt sich die Laufrichtung meist passend wählen.
Was ist bei Digitaldruck anders?
Bei Digitaldruck sitzt der Toner als eigene Schicht auf der Papieroberfläche und wird durch Wärme fixiert. Diese Schicht ist spröder als Offsetfarbe, die teilweise ins Papier einzieht. Beim Falzen bricht sie deshalb früher, und zwar schon bei Grammaturen, die im Offset noch ohne Rillung gehen würden. Drei Besonderheiten sollten Sie einplanen:
- Rillen auch bei leichteren Bögen: Liegen Tonerflächen über dem Falz, lohnt die Rillung oft schon ab 135 g/m².
- Laufrichtung prüfen: Digitaldruckbögen im Format SRA3 werden oft mit vielen Kleinformaten belegt; je nach Nutzenlage steht die Laufrichtung dann quer zum Falz.
- Bögen ruhen lassen: Durch die Fixierwärme verlieren die Bögen Feuchtigkeit und werden spröde. Einen Tag Liegezeit in normaler Raumluft vor dem Falzen verringert den Bruch deutlich; deshalb falzen wir frisch gedruckte Bögen nicht am Tag der Anlieferung.
Viele Digitaldruckereien rillen erst nach dem Druck, weil die Rillung die Bogenzufuhr der Maschine stören würde. Das ist richtig so – wichtig ist nur, dass die Rillung vor dem Falzen kommt und nicht erst beim Falzen versucht wird.
Was passiert, wenn die Bögen ungerillt ankommen?
Kommen Bögen ab 170 g/m² ungerillt bei uns an, falzen wir einen Probebogen und schicken Ihnen ein Foto der Falzkante, bevor wir weitermachen. Ist Falzbruch sichtbar, gibt es zwei Wege: Die Druckerei rillt nach, oder die Bögen werden auf der Stanz- und Schneidemaschine des Hubs gerillt – siehe Rillen und Schneiden auf apool.de. Einen eigenen Rillautomaten haben wir an den Falzplätzen nicht. Bögen, die schon gebrochen sind, behandeln wir so: Bögen mit Falzbruch, Kleberaustritt oder Kratzern sortieren wir aus, zählen sie, halten sie im Protokoll mit Foto fest und schicken sie mit der Rücklieferung zurück – oder sondern sie nach Ihrer schriftlichen Vorgabe aus; einen Nachdruck veranlassen Sie.
Woran erkennen Sie Falzbruch, bevor es der Kunde tut?
| Fehlerbild | wahrscheinliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| weiße Linie auf der Außenseite | keine oder zu schmale Rillung | Rillung ergänzen oder verbreitern |
| Bruch nur an den Rändern der Kante | Rillung zu kurz oder zu schwach | Rillung über die volle Länge |
| Falzkante wellig, springt auf | Falz quer zur Laufrichtung | Nutzenlage ändern, Falz länger pressen |
| Doppelkante neben dem Bruch | Rillung neben der Falzlinie | Rillung auf den Beschnitt beziehen |
| feine Risse in Tonerflächen | spröde Tonerschicht, Bogen zu trocken | Liegezeit, Rillung auch bei leichtem Papier |
Wir prüfen jede Falzkante bei der Ausgangskontrolle auf diese Bilder; welche weiteren Merkmale dazugehören, zeigt der Ratgeber Fehler in der Weiterverarbeitung erkennen. Wann ein Bogen besser von Hand gefalzt wird, steht im Ratgeber Bögen von Hand falzen oder maschinell. Für eine Einschätzung Ihres Materials schicken Sie uns einen Probebogen über die Anfrage, telefonisch erreichen Sie Elisabeth Zachová unter +420 604 373 376; die Leistung finden Sie unter Falzen von Hand und Sonderfalze.